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Trickserei um Klimaschutz im Luftverkehr

Luftfahrtbranche präsentiert nur Scheinlösungen

Die Luftfahrtbranche steht unter enormen Handlungsdruck. Die anhaltenden Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung nach klaren Beschränkungen des Luftverkehrs beginnen auch im politischen Raum Wirkung zu zeigen. Das sogenannte „Klimakabinett“ der Bundesregierung bereitet Maßnahmen zur Eindämmung der luftverkehrsbedingten Klimaschadstoffe vor. Die Befürchtungen der Luftfahrtbranche, dass hierbei ein Teil ihrer Privilegien aufgehoben werden, sind nachvollziehbar. Zur Diskussion stehen Zuschläge für die Verursachung von CO2-Emissio- nen, eine Erhöhung der Luftverkehrsabgabe („Ticketsteuer“) und selbst die Beendigung der Steuerfreiheit von Kerosin scheint realistisch. Zu Recht, denn mit seinen Emissionen leistet der Luftverkehr einen wesentlichen Beitrag zur Verschärfung der Klimakrise: Der weltweite Verbrauch des gesundheitsschädlichen und umweltgefährdenden Flugzeugtreibstoffs betrug im vergangenen Jahr 356 Milliarden Liter. Bei dessen Verbrennung wurden knapp eine Milliar- de Tonnen klimarelevantes CO2 ausgestoßen.

Im Angesicht der sich abzeichnenden Reglementierungen, hat der Lobbyverband der Deutschen Luft- fahrt (BDL) vergangene Woche eine Selbstverpflichtung für einen CO2-neutralen Flugverkehr abgege- ben. Die Mitglieder im BDL sind sich der Umweltschädlichkeit des Fliegens bewusst. Der Verband gibt vor, dass das angestrebte Ziel der CO2-Neutralität nur erreichbar sei, wenn das auf fossiler Basis herge- stellte Kerosin durch regenerativ erzeugtes Kerosin ersetzt wird. Die nach Ansicht des BDL derzeit beste Lösung sei ein Kraftstoff, der im sogenannten „Power-to-Liquid (PTL)“-Verfahren gewonnen wird.

Martin Mosel, Luftfahrtexperte und Sprecher des Initiativkreises für Klima- und Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (IK) stellt hierzu fest: „Das PTL-Verfahren ist nicht neu. Es hat sich schon in den vergangenen 100 Jahren nicht durchsetzen können. Aufgrund seiner Ineffizienz stellt es eine Verschwendung von regenerativer Energie dar. Die zur Kraftstoffherstellung erforderliche Ener- giemenge steht weder in Deutschland noch in Europa zur Verfügung. Plakativ ausgedrückt: Damit der Luftverkehr sich zukünftig ein „grünes Klimagewissen“ machen kann, indem er zu 100 Prozent mit PTL- Kerosin fliegt, müssten bei der Hälfte aller Haushalte sowie dem Gewerbe und der Industrie in der Euro- päischen Union nicht nur die Lichter ausgehen, sondern die gesamte Stromversorgung gekappt werden. So groß ist der Strombedarf zur Herstellung des PTL-Kerosins“.

Für Mosel ist klar, dass die Luftfahrtindustrie mit ihren Vorschlägen zum Klimaschutz lediglich lästige Auflagen und zusätzliche Kosten abwenden will. „Bisher hat es die Luftfahrtbranche immer hinbekom- men, dass die Politik einen Schutzschirm über den Luftfahrtsektor gespannt hat. Das Ergebnis ist ein beispielloses Belastungswachstum mit katastrophalen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Klima. Zusammen mit der Ablasshandelsplattform CORSIA stellt PTL-Kerosin nur eine weitere Scheinlösung dar, um echten Klimaschutz im Luftverkehr zu verhindern. Jedoch erwarte ich nun mit den anstehenden politischen Entscheidungen in Berlin einen Paradigmenwechsel mit der Einbeziehung des Luftverkehrs beim Klimaschutz“, betont Mosel den bestehenden gravierenden Missstand und den sich abzeichnen- den Weg aus der Umsetzungskrise.

Hintergrund: Nach Ermittlungen der Europäischen Kommission würde die Besteuerung des Luftver- kehrs in Europa zu einer Emissionsentlastung um 11 Prozent führen ohne dass branchenbezogene Arbeitsplätze gefährdet werden würden. Eine Kerosinsteuer von 33 Cent pro Liter würde die durch- schnittlichen Ticketpreise lediglich um 10 Prozent verteuern. Die effektivste Klimaschutzmaßnahme im Luftverkehr ist und bleibt aber schlicht „Am-Boden-Bleiben“.

Foto: Sebastian Herrmann auf Unsplash

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